Mit dem Projekt „Färbergärten“ will die Kunstschule verloren gegangenes Wissen wieder zu Tage fördern. Kindern soll gezeigt werden, wie man Pflanzen und Pflanzenteile so verarbeitet, dass daraus Farbstoffe gewonnen und daraus eigene Malmittel hergestellt werden können. Das vermittelte Gelernte stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder. Neben Anbau und Pflege der Pflanzen ist auch der Weg von der Pflanze zum Malmittel Teil des Kurses.

Man nimmt im Prinzip die Pflanze und unterteilt sie in ihre einzelnen Segmente, wie Früchte, Blüten, Blätter, Stiele, Borke, Wurzel. Diese Teile werden separat bearbeitet, wobei in den meisten Fällen das einfache Pürieren noch nicht den Farbstoff auslöst. Es muss beispielsweise fermentiert werden oder es müssen verschiedene Gärungs- bzw. Fäulnisprozesse ablaufen. Dazu setzt man dem Pflanzenbrei z.B. heißes Wasser, Salze, Zucker oder Essig zu. Diese gewonnene Maische wird schließlich durchgesiebt und der Farbstoff wird letztlich auf ein Trägermaterial, wie z.B. Alaun oder Eierschalen aufgebracht. Nun kann gemalt werden.

Dabei beobachten wir völlige Hingabe und Versenken in der natürlichen Materie, das eigene Schaffen, weg von vorgegebenen Materialien und einfachen Konsumierens. Es ergeben sich schnell kleine und große Erfolgserlebnisse, die das Dranbleiben und Ausprobieren fördern.Das beinhaltet auch, sich in Wald und Flur umzusehen nach brauchbaren Pflanzen und damit spielerisch experimentellem Aufhalten in der Natur. Interesse wird geweckt an uralten Mitteln und Möglichkeiten der Farbherstellung, die immer schon existierten und als altes Wissen wiederbelebt werden.In zarter Aquarelltechnik oder wildem Malen können dann die Farben unter zurückhaltender Anleitung in freiem Spiel und ohne Wertung ausprobiert und zu besonderen Kunstwerken geschaffen werden.

Der Färbergarten ermöglicht in pädagogischer Begleitung die altersentsprechende Vermittlung von biologischen Prozessen (z.B. Lebenskreisläufen), ökologischen Zusammenhängen (Biodiversität, Bodenschutz etc.), chemischen Reaktionen und weiteren Themenstellungen (zur Geschichte des Färbens etc.). Interdisziplinäre Zusammenhänge werden in der praktischen Arbeit sichtbar. Über die unmittelbaren Erfahrungen beim Anbau der Färberpflanzen und der Herstellung der Pflanzenfarbe, z.B. die als Farbwandel sichtbare Veränderung des pH-Werts, wird Wissen effektiv vermittelt und wirksam verinnerlicht.